Dialekt
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Der Ausdruck Dialekt (von griech. dialegomai: miteinander reden) kann auf zweierlei Weise definiert werden:
- Als jedwede Varietät einer Sprache (z.B. Standardsprache, Standarddialekt, Nationalvarietät, ein regionaler, gruppenspezifischer Dialekt). Synonym: Varietät (Linguistik)
- Als nach räumlichen Gesichtspunkten kategorisierte nicht kodifizierte Sprachform (im Gegensatz zu Standardsprache, Hochsprache, Ausbausprache), die zum Beispiel in einer Diglossiesituation zur nicht-formellen Kommunikation innerhalb einer lokalen Sprachgemeinschaft verwendet wird; es kann sich um die lokale, regionale, nationale oder gruppenspezifische Varietät einer Sprache handeln. Durch die gestiegene Mobilität, moderne Medien sowie die teilweise immer noch betriebene Bekämpfung des Dialekts als "falsches Deutsch" sind die meisten Dialekte vom Aussterben bedroht. (Mundart)
Dialekte (nach beiden Definitionen) können sich in lautlicher, grammatischer und lexikalischer Hinsicht unterscheiden, aber auch bezüglich der Kommunikationsstrategien (z.B. der Höflichkeitsstrategien). Im Folgenden wird "Dialekt" im Sinne der zweiten Definition aufgefasst. Von dem Begriff Dialekt ist der Begriff Akzent abzugrenzen. Akzent bezieht sich lediglich auf die phonologischen Charakteristiken der Aussprache. So kann ein Bayer Hochdeutsch mit einem bairischen Akzent sprechen, aber nicht mit einem "bairischen Dialekt".
Mit Dialekten im ersten Sinne beschäftigt sich die Dialektologie (Mundartenkunde, Mundartenforschung).
Bei Grimm bedeutete Mundart neben der Sprechart von Gruppen auch noch die individuelle Sprechart eines Einzelnen. "art des mundes, art zu sprechen; übersetzung des griech.-lat. dialectus (dialectos eine eigenschaft der sprach, oder eigne weise zu reden. DASYP.), die im 17. jahrh. bereits gewöhnlich ist, und von der sprechart sowol eines einzelnen als eines standes oder einer landschaft gebraucht wird, und zwar in bezug auf den klang der worte ..., in bezug auf wortschatz und wahl der worte ..." (Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, 1 )
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Abgrenzung Hochsprache / Dialekt
Die Abgrenzung von Hochsprache (siehe auch: Einzelsprache) und Dialekt erfolgt von Nichtlinguisten oft willkürlich. Die Zuordnung zu der einen oder anderen Gruppe wird nach verschiedenen, sich teilweise widersprechenden Überlegungen durchgeführt. Das führt dazu, dass viele dieser Zuordnungen manchmal selbst unter Linguisten umstritten sind. Eine Möglichkeit zu entscheiden, ob es sich um eine hochsprachliche Variante oder um einen Dialekt handelt, ist zu untersuchen, ob die entsprechende Form Merkmale einer Ausbausprache aufweist. Hinzu kommt, dass die zugrunde gelegten Kriterien teilweise auch von der politischen Situation abhängen, so dass die Zuordnungen auch nicht stabil sind, sondern sich des öfteren ändern. Daraus begründet sich, dass man mit dem Begriffspaar "Dialekt" <-> "Hochsprache" vorsichtig umgehen sollte. Einige relativ allgemein anerkannte Kriterien sind (unter Berücksichtigung der Anmerkungen am Anfang dieses Artikels):
- eine normierte verschriftliche Sprache, die damit auch gleichzeitig eine Ausbausprache ist oder ein Idiom, das als Nationalsprache eines Staates dient, wird als Hochsprache betrachtet.
- ein Idiom, das mit einer Nationalsprache verwandt ist und überwiegend in dem entsprechenden Staat gesprochen wird, aber keine Merkmale einer Ausbausprache aufweist, wird als Dialekt aufgefasst.
Auf diesen Kriterien basiert zum Beispiel die Eingruppierung von (Hoch-) Deutsch und Niederländisch als Hochsprachen, während Bairisch und Kur-Sächsisch oder Schweizerdeutsch als Dialekte eingestuft werden. Dieses Thema ist nach wie vor ein heiß diskutiertes, und jede solche Einteilung kann mit Recht angezweifelt oder abgelehnt werden (und wird es in der Regel auch). So dauerte es bis Ende des 20. Jahrhunderts, bis die im Norden Deutschlands, den östlichen Niederlanden und dem südlichen Dänemark gesprochene Niedersächsische Sprache aufgrund der EU-Charta der Minderheitssprachen als eigenständige Regionalsprache anerkannt wurde.
Auch die Unterscheidung beziehungsweise Gleichsetzung von Dialekt und Mundart ist ein schwieriges Thema. Während in der Umgangssprache die beiden Wörter unterschiedslos benutzt werden (wie auch in diesem Artikel), gibt es auch Definitionen, die den Dialekt von der Mundart durch das Vorkommen eigener, nicht der Hochsprache zugehörigen Ausspracheeigenschaften abgrenzen. Eine Mundart ist dann wie der Begriff Akzent definiert, also durch eine spezifische Sprachmelodie und gewisse regelmäßige Veränderung hochsprachlicher Aussprachenormen, wie zum Beispiel das konsistente Verschleifen von Wortendungen, Veränderung von Vokalen und Konsonanten etc.
Das politische Problem der Abgrenzung wird deutlich in einem Linguistenwitz, der in einer Variante so lautet: "A language is a dialect with an army and a navy" (Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und einer Marine) und Uriel Weinreich zugeschrieben wird.
Ausbreitung
Die Ausbreitung von Dialekten kann nach mehreren Kriterien gegliedert werden:
- geographisch
- gesellschaftlich (siehe: Soziolekt)
Über die geographische Ausbreitung eines Dialekts gibt der Sprachatlas Auskunft. Er enthält die Dialektgrenzen und Beispiele von Wortformen der angeführten Dialekte und ihre geographische Verbreitung. Dabei können einzelne Wörter über die Dialektgrenzen hinausreichen. Manche Wörter oder Wortformen können als Indikatoren für einen bestimmten Dialekt dienen.
Dialekte
„Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
„Jede Region liebt ihren Dialekt, sei er doch eigentlich das Element, in welchem diese Seele ihren Atem schöpfe.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
Deutsche Sprachgliederung
(in Klammern: ungefähre geographische Verbreitung)
- Hochdeutsche Sprache
- Oberdeutsch (Süddeutschland, Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Frankreich, Italien)
- Alemannisch
- Schwäbisch (Südlicher Teil Württembergs, Bayrisch-Schwaben, Bezirk Reutte-Außerfern in Tirol)
- Niederalemannisch (Südbaden nördlich einer Linie Freiburg-Singen, südliches Oberschwaben, Vorarlberg, in der Schweiz Baseldeutsch — siehe auch Schweizerdeutsch)
- Elsässisch (Niederalemannisch mit starkem französischem Einschlag im Süd-Elsass)
- Hochalemannisch (Südbaden südlich einer Linie Freiburg-Singen, Deutschschweiz bis auf Basel — siehe auch Schweizerdeutsch —, Liechtenstein, Vorarlberger)
- Höchstalemannisch oder Walserisch (Berner Oberland, Freiburg im Uechtland, Oberwallis, Täler im Aostatal und Piemont)
- Bairisch (Bayern, Österreich, Südtirol)
- Ostfränkisch (Nordbayern, Südthüringen, angrenzende Regionen Baden-Württembergs, Hessens, Sachsens und Tschechiens)
- Mainfränkisch, wird umgangssprachlich meist Fränkisch genannt
- Süd-Rheinfränkisch/Nordbadisch
- Alemannisch
- Mitteldeutsch (Deutschland und angrenzende Regionen in Frankreich, Luxemburg und Polen im Streifen zwischen Benrather Linie im Norden und Mainlinie im Süden)
- Westmitteldeutsche Sprache (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Luxemburg, Nordrhein-Westfalen und angrenzende Regionen in Frankreich und Belgien), siehe auch: Fränkische Sprache
- Rheinfränkisch
- Moselfränkisch
- Pfälzische Dialekte
- Hessisch-Nassauisch
- Nord-Elsässisch (Nord-Elsass)
- Ostmitteldeutsche Sprache (Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Sachsen und in angrenzenden Regionen Polens und Tschechiens)
- Westmitteldeutsche Sprache (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Luxemburg, Nordrhein-Westfalen und angrenzende Regionen in Frankreich und Belgien), siehe auch: Fränkische Sprache
- Oberdeutsch (Süddeutschland, Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Frankreich, Italien)
- Niederdeutsche Sprachen (Norddeutschland, Niederlande, Belgien, stehen tw. den skandinavischen Sprachen nahe, siehe oben : Dialekt <-> Sprache)
- Niederfränkisch
- Niederländische Mundarten in den Niederlanden
- Flämisch, eine Form des Niederländischen
- Niederrheinisch
- Deutschniederländisch
- (Nieder-)Sächsische, als Regionalsprache seit 1994 durch die EU geschützt (auch: Plattdeutsch)
- Westfälisch (südl. Osnabrücker Land, Emsland, Nordrhein-Westfalen)
- Ostfälisch (Südostniedersachsen, früher auch westliches Sachsen-Anhalt)
- Nordniedersächsisch (Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordniedersachsen, Weser-Ems, Bremen)
- Ostfriesisches Platt (Ostfriesland)
- Ostniederdeutsche Sprache (Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und angrenzende Regionen Niedersachsens und Polens)
- Niederfränkisch
- Friesisch (siehe bei: Weitere Sprachen)
- Texasdeutsch
- Pennsylvaniadeutsch
- Kedelkloppersprook alte Sondersprache in Hamburg
- Jiddisch
Weitere Sprachen (keine deutschen Dialekte innerhalb Deutschlands)
- Friesische Sprache (Fraisch)
- Sölring (Sylt)
- Fering (Föhr)
- Öömrang (Amrum)
- Festlandsfriesisch (Festland Nordfrieslands)
- Halunder (Helgoland)
- Saterländisch (Saterland)
- Dänische Sprache
- Sorbische Sprache
Dialekte in Deutschland nach Bundesländern
(siehe auch Regiolekt)
- Dialekte in Baden-Württemberg
- Ostfränkisch (wozu auch Hohenlohisch gehört)
- Alemannisch
- Odenwälderisch
- Kurpfälzisch
- Schwäbisch
- Südrheinfränkisch
- Dialekte in Bayern
- Bairische SpracheNordbairisch oder Oberpfälzisch
- Bairische SpracheMittelbairisch oder Donaubairisch (Oberbayern, Niederbayern)
- Ostfränkisch
- Dialekte in Berlin
- Dialekte in Brandenburg
- Dialekte in Bremen
- Dialekte in Hamburg
- Dialekte in Mecklenburg-Vorpommern
- Dialekte in Thüringen
Weitere Informationsquellen
Innerhalb der Wiki-Projekte
- Soziolekt, Basilekt, Mesolekt, Akrolekt, Register, Dialektgruppe, Dialektkontinuum
- Substandard
- Germanische Sprachen
- Sprachgebrauch in Österreich
- Kolonialdialekt
- Deutschsprachiger Raum
- »BRD-Sprache« und »DDR-Sprache«
Weblinks
- Deutsche Mundarten der Gegenwart
- http://woerterbuch.saarlaendisch.de Saarländisches Mundartwörterbuch
- "The Linguasphere Register", Zone 52- Germanische Sprachen
- 'Digitaler Wenker-Atlas': Karten zu Dialektphänomenen. Nur mit Login-Anmeldung
- Viele Links, auch zu Hörbeispielen
- Hörbeispiele zu deutschen Dialekten als Real-Audio-Dateien
- Dialektkarte - Die deutschen Mundarten um 1965
- Dialektkarte Deutschland - Ende 19. Jahrhundert
- Diskussion Dialekt vs. Sprache
- Dialektwörterbücher
- Forschungsinstitut für deutsche Sprache
- Österreichisches Wörterbuch
- Die erzgebirgische Mundart oder de arzgebirgsche Sproch
- Plautdietsch - Plattdeutsch der Russland-Mennoniten
- Moselfränkisches Wörterbuch

